Freitag

Ich bin kein großer Fan von Solo-Spielen. Ich habe mich einmal an einer Partie Eldritch Horror versucht, um die Regeln zu verinnerlichen, aber nach ca. einer Stunde abgebrochen, weil ich einfach allein keinen großen Spaß daran hatte und es eher als Arbeit empfand. Wir erlernen meistens gemeinsam die Regeln von neuen Spielen. Einer liest die Anleitung und der Andere baut parallel auf und sucht die entsprechenden Karten/Symbole/Figuren oder was auch immer und dann wird gemeinsam eine erste Runde gespielt.

Dann habe ich aus Langeweile mal eine Runde Robinson Crusoe alleine gestartet. Das war o.k., aber irgendwie auch zu aufwendig für ein Solo-Spiel nach meinem Geschmack.

Als ein einsames, langweiliges Wochenende bevor stand (Ach Gott bin ich so arm ), bestellte ich mir Freitag. Ein kurzweiliges Kartenspiel, das trotzdem eine gewisse taktische Tiefe hat, klingt genau nach meinem Geschmack.

Sollte hier noch jemand Vorschläge für zwei Spieler hat, kann mir diese in den Kommentaren gerne unterbreiten. Port Royal, Portale von Molthar und dergleichen sind mir schon ein wenig zu öde.

Auf jeden Fall erhoffte ich mir von Freitag ein Spiel, das schnell aufgebaut und gespielt ist, aber gerne nach Wiederholung verlangt und ich wurde nicht enttäuscht.

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Material: drei Tableaus, Lebenspunkte, Schachtel, Anleitung, Karten

 

Man verkörpert den guten Robinson, der ums Überleben auf der einsamen Insel kämpft. Man startet mit einem Deck aus Kampfkarten. Diese Karten haben Kampfwerte von -1, 0, 1 oder 2, mit deren Hilfe man die Gefahren der Insel bekämpfen kann. Die Gefahren bestehen aus einer Art Begegnungsdeck. Man zieht zu Beginn jedes Zuges zwei Begegnungskarten und sucht sich eine davon aus. Die Gefahrenkarte gibt an wie viele Kampfkarten man kostenlos zur Bekämpfung dieser Gefahr ziehen darf und welchen Kampfwert man mindestens erreichen muss, um zu bestehen.

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Kampfkarten, die einem nicht so wirklich weiter helfen

 

So kann es zum Beispiel sein, dass Freitag die Insel erkunden möchte, dafür eine Kampfkarte ziehen darf und einen Wert von 1 erreichen muss. Man deckt also eine Karte vom eigenen Deck auf und erzielt bspw. einen Wert von 0. Nun darf man entweder ein Leben bezahlen (Differenz zwischen erzieltem und benötigtem Kampfwert) und dafür aber auch eine ausliegende Kampfkarte (hier die mit dem Wert 0) entsorgen, oder man zahlt ein Leben, um eine weitere Karte ziehen zu dürfen und hofft so die Gefahr zu bestehen. Denn wenn man es schafft den benötigten Wert zu erreichen, darf man die Gefahrenkarte in sein Deck aufnehmen. Diese kann dann nämlich künftig als Kampfkarte genutzt werden. Wenn man sie umdreht zeigt sie an welche Werte sie hat und welchen Effekt sie ggf. besitzt. So kann man durch Entsorgen und Hinzugewinnen von Karten sein Deck immer weiter verbessern.

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Gefahrenkarten „Insel erkunden“ und „Wilde Tiere“

 

Je länger Robinson auf der Insel festsitzt, umso mehr verliert er den Verstand, was sich folgender Maßen äußert:

Jedes Mal, wenn das eigene Deck aufgebraucht ist und man alle abgelegten Karten neu mischen muss, wird eine Tollpatschkarte hinzugefügt. Diese haben meistens negative Kampfwerte und fiese Effekte. Man sollte sein Deck also auch nicht zu sehr ausdünnen, denn diese Tollpatschkarten bekommt man nur schwer wieder los.

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Tollpatschkarten „blöde“ und „hungrig“

 

Das Leben auf der Insel wird nicht einfacher und die Gefahren werden immer bedrohlicher. Die Karten des Begegnungsdecks zeigen drei Stufen von Kampfwerten, die erreicht werden müssen (grün, gelb und rot). Beim ersten Durchlauf des Decks muss man nur den grünen Wert erreichen, um der Gefahr zu trotzen. Sobald man das Deck einmal durchgespielt hat, werden die übrig gebliebenen Karten erneut gemischt. Einige Karten sind raus, da man sie besiegt und als Kampfkarte ins eigene Deck gemischt hat. Dieser neue Stapel an Gefahren muss nun aber in Stufe gelb und beim dritten und letzten Durchlauf in Stufe rot bekämpft werden.

Nun muss man folgende Entscheidungen treffen:

Wähle ich zu Beginn des Spiels die einfachen Begegnungen aus, um mit meinen schwachen Kampfkarten auch mal einen Kampf zu gewinnen und neue Karten ins Deck zu bekommen, so bleiben am Ende des Spiels viele starke Gefahrenkarten zurück, denen ich dann unter Umständen nicht mehr ausweichen kann. Nehme ich zu Beginn schon schwierige Herausforderungen an, so bleiben sie mir evtl. in Stufe gelb oder rot erspart, aber auch nur, wenn ich sie in grün bewältigen kann. Wenn ich es schaffe, werde ich meist auch mit einer guten Kampfkarte belohnt, wenn nicht muss ich vermutlich einige Lebenspunkte lassen.

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erhaltene Kampfkarten „Ausrüstung“ und „Waffe“

 

Ziehe ich bei einem noch nicht geschafften Kampf gegen Abgabe von Lebenspunkten weitere Karten, um doch noch zu bestehen oder nehme ich die Niederlage hin und entsorge dafür wenigstens noch ein paar schlechte Karten?

Am Ende des Spiels muss man es noch zwei fiese Piraten-Karten aufnehmen. Jede Karte ist etwas anders aufgebaut, aber im Grunde geht es darum relativ wenig Kampfkarten ziehen zu dürfen, aber einen enormen Kampfwert zustande bringen zu können. Man sollte also noch genügend Leben übrig haben, um weitere Karten ziehen zu können. Wenn man diese beiden Herausforderungen noch bewältigt hat, ist das Spiel gewonnen und man kann seine Siegpunkte zählen.

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Es passiert relativ oft, dass man das Spiel verliert, weil einem die Lebenspunkte ausgehen und man die aktuelle Gefahr nicht mehr bewältigen kann, aber das motiviert einen nur, noch einmal von vorne zu beginnen. Insgesamt gibt das Spiel mehrere Schwierigkeitsstufen vor, aber ich kann euch sagen: bereits Stufe 0 ist knackig und man braucht auch ein wenig Kartenziehglück 🙂

Freitag ist schön illustriert und sehr thematisch. Schafft man es z.B. die Kannibalen zu bewältigen, erhält man eine Waffe. Hat man die Insel weiter erkundet, bekommt man eine Kampfkarte mit dem Effekt „Nahrung“, was einem wieder Lebenspunkte beschert usw.

Ich habe Freitag nun schon etliche Male gespielt, egal ob nebenbei während dem Fernseher schauen am Couchtisch oder an der frischen Luft auf dem Balkon, für eine Runde Freitag ist immer Zeit und ausreichend Platz. Es schafft für mich den richtigen Spagat zwischen ein bisschen Nachdenken müssen, aber auch nicht zu anspruchsvoll für den Feierabend. Nach eltlichen gescheiterten und wenigen geschafften Runden in Stufe 1 wage ich mich bald mal an Stufe 2 und werde höchst wahrscheinlich fürchterlich unter gehen 🙂 Freitag hat für mich definitiv einen Sucht-Faktor.

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Der Kampf gegen die Piraten

Fast schade, dass es keine Zwei-Spieler-Variante für Freitag gibt 😉

P.S.: Hinterlasst mir gerne Kommentare, lasst mir ein „Gefällt mir“ da auf https://www.facebook.com/ina-zocktde-336024623451276/  oder quatscht mit bei www.brettspieltalk.de

LG Ina

 

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